Die Ruhrpottwale /
Die Mageritenblüte

Das Modell der aus 6 Pottwalen bestehenden „Margeritenblüte“, war meine erste bildhauerische Arbeit nach Fertigstellung meiner Skulptureninstallation „Delphinidae Delphinoidae“ im Dezember 1998.
Kurz darauf ermöglichte mir aber zunächst ein Auslandstipendium, sechs Monate lang, die Feldarbeit verschiedener meeresbiologischer Einrichtungen an der amerikanischen Westküste zu begleiten, deren Schwerpunkt hauptsächlich die Erforschung und Beobachtung von Schwertwalen war.
Noch inmitten abenteuerlicher Erlebnisse machte ich mir damals schon Gedanken darüber, wie ich meinen Walenthusiasmus auch zukünftig, in der Heimat, mit meiner künstlerischen Arbeit verbinden könnte. So entstand die Idee unter dem Namen „Ruhrpottwale“ eine eigene Firma zu gründen.
Schließlich fertigte ich mit dem Vorhaben einer später möglichst großen Umsetzung, das kleine Modell der „Margeritenblüte“ an. Die Pottwale der Skulptur, sollten einerseits das dichte Zusammenliegen der Großstädte im Ruhrgebiet verkörpern, während der Name „Margeritenblüte“ auf ein Sozialverhalten dieser Wale Bezug nimmt, das von den alten Walfängern als „Margeritenblüte“ oder „Margeritenformation“ bezeichnet wurde.
Pottwale bilden dabei um verletzte und harpunierte Tiere eine Art Wagenburg und formieren sich kopfvoran um das geschwächte Tier, um es so gegen Gefahr von außen abzuschirmen.
Dieser Zusammenhalt innerhalb der Walgruppe bricht auch dann nicht auseinander, wenn ein Tier nach dem Anderen angeschossen wird, was die Walfänger damals ausgenutzt haben, um möglichst die ganze Gruppe auf einmal zu erlegen. Das Sozialverhalten der Wale hat mich schon als Kind sehr gerührt. Inzwischen habe ich in Norwegen und später auf den Azoren immer wieder Pottwale beobachtet, die auch ohne Gefahr, gegen Abend zur Stärkung ihrer sozialen Gefüge zusammenkommen und sich an der Oberfläche dicht an dicht aneinander legen.
Leider ist meine vergrößerte Margeritenblüte nie fertig geworden, obwohl mir das kleine Modell und die Idee dahinter immer noch gut gefällt.
Immerhin habe ich einen der 6 Pottwale in 4 Meter Größe umgesetzt, um während der Arbeit daran doch festzustellen, dass das ganze Projekt ohne konkreten Auftraggeber, für mich allein nicht zu bewältigen war. Der Pottwal hat dennoch im Museum Wiesbaden einen würdevollen und festen Platz in der Ausstellung „Ästhetik der Natur“ gefunden.