Der Pulsfühler

Die Skulptur „Der Pulsfühler“ ging aus der Skulptur „Der Schneckenmann“ hervor, der wiederum ein Pendant der großen Liegenden darstellt.

„Die große Liegende“ stellt eine Riesin dar, die vollkommen in sich ruhend, den Blick in die Ferne schweifen lässt.
Der Schneckenmann hingegen steht aufrecht da. Er wirkt eher weltvergessen und vollkommen ins Detail versunken.
Sein Blick fokussiert die zu einem Punkt zusammenlaufende Spirale des Schneckengehäuses einer Schnecke, die ihm gerade das Handgelenk herunter kriecht, dort, wo man den Puls fühlt.

Der Pulsfühler hingegen hat sich äußeren Impulsen bereits entzogen. Er hat die Augen geschlossen und nimmt mit kleiner Geste an sich selbst eine Introspektion vor.
Die Figur scheint auf ihrem länglichen Sockel einen Schritt aus der Mitte heraus neben sich getreten zu sein, wo sie konzentriert innehaltend, dem Betrachter gegenübersteht.
Blind ertastet die Fingerspitze des Zeigefingers der rechten Hand den Puls der linken Hand.
Die vor dem Körper agierenden Arme betonen die vertikale und horizontale Achse der Skulptur.
Am Punkt der Berührung zwischen Zeigefinger und Handgelenk entsteht ein jäher Richtungswechsel von der waagerechten Linienführung des einen Arms zur senkrechten Linie des anderen Arms. Es entsteht ein 90° Winkel, der den Eindruck eines Pulsschlages optisch wieder gibt, analog den grafischen Darstellungen einer Herzspannungskurve. √

Das eher grobschlächtige Äußere des Mannes bildet einen Kontrast zur Sensibilität der dargestellten Szene.
Fast wirkt es so, als lade der Pulsfühler den Betrachter mit dieser einfachen und unaufdringlichen Geste dazu ein, es ihm gleich zutun, sich dem hektischen Treiben rund herum zu entziehen um der Lebendigkeit in sich selbst nachzuspüren.